Breitbandausbau forcieren

Standort Oldenburger Münsterland

Wenn man von einer Boom-Region im Oldenburger Land spricht, denken viele zuerst an das Oldenburger Münsterland (OM). Entlang der Wachstumsachsen A 1 und E 233 hat sich insbesondere über die Ernährungswirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten ein wertschöpfungsintensives Cluster an Produktions- und Dienstleistungsunternehmen mit zahlreichen international tätigen mittelständischen Betrieben entwickelt.
Statistisch gesehen stehen die beiden südlichen Landkreise Vechta und Cloppenburg in der Tat hervorragend da. Ob bei Einwohnerzahl, Beschäftigungsquote oder Industrieumsatz – die Region nimmt überwiegend die vorderen Plätze ein. Dementsprechend fühlen sich die Menschen, die dort leben, auch emotional mit ihrer Region verbunden. Sie sind selbstbewusst und stolz, Oldenburger Münsterländer zu sein, und engagieren sich in Netzwerken vor Ort.
Diese positive Grundstimmung spiegelt sich auch sehr deutlich bei den im OM ansässigen Unternehmen wider. Das zeigt der IHK-Standortatlas, der auf einer breit angelegten Umfrage zur Standortzufriedenheit basiert. Mehr als jedes zweite Unternehmen bewertet seinen Standort  als gut. Weitere 14 Prozent im Landkreis Cloppenburg und 21 Prozent der Befragten im Landkreis Vechta vergeben sogar die Note „sehr gut“.
Mit einem Notendurchschnitt von einer glatten Zwei führt Vechta bei der Gesamtbewertung, während Cloppenburg mit 2,3 nur knapp dahinter und damit im Gesamtschnitt für das Oldenburger Land liegt. Trotz dieser guten Ausgangsbasis ist dieses Ergebnis für die Wirtschaft kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Sie sieht in bestimmten Bereichen konkreten Handlungsbedarf, um die Rahmenbedingungen für ihren Wirtschaftsstandort weiter zu stärken. 

Ergebnisse  

„Das ist zunächst ein erneuter Beleg unserer Stärke im Oldenburger Münsterland“, sagt Roland Zerhusen, Vorsitzender des IHK-Beirats für das OM. „Aber aus der IHK-Umfrage lässt sich eben noch mehr ableiten.“
Laut der IHK-Analyse würden sich die meisten der befragten Unternehmen noch einmal für ihren Standort entscheiden. Insgesamt bescheinigt der Standortatlas der Region eine besonders hohe Zufriedenheit mit der Lebensqualität, dem Kinderbetreuungs- und Schulangebot sowie der Straßenanbindung.
Die Anbindung durch den ÖPNV, die Innenstadtattraktivität, die Verfügbarkeit von Fach- und Führungskräften, die Breitband- und Internetversorgung sowie die Dauer von Genehmigungsverfahren der Verwaltung sind hingegen Standortfaktoren, bei denen sich die Betriebe deutliche Verbesserungen wünschen. 

Empfehlungen

Für einen flächendeckenden Ausbau der Breitband- und Mobilfunkversorgung sieht der IHK-Beirat die Landkreise, Netzbetreiber und die Politik in der Pflicht. Gerade ländlich geprägte Räume wie das Oldenburger Münsterland sind in der Fläche teilweise deutlich unterversorgt bei schnellen Internetzugängen und verlässlichen Mobilfunkverbindungen. Die Landkreise Vechta und Cloppenburg wollen bis Ende des Jahres 2018 mit unterschiedlichen Modellansätzen die meisten „weißen Flecken“ ohne schnelles Internet beseitigen. Der Beirat wird im regelmäßigen Austausch mit den relevanten Akteuren den Ausbaufortschritt überprüfen.
Zur Sicherung der Standortqualität und Attraktivität von Innenstädten und Ortszentren sollten von allen Kommunen Einzelhandelskonzepte aufgestellt und als verbindliche Grundlage für Entscheidungen über die Ansiedlung von Einzelhandelsgroßprojekten genutzt werden, so die Forderung des IHK-Gremiums. Zur Förderung eines interkommunalen Best-Practice-Austausches sollte der Verbund Oldenburger Münsterland als Zusammenschluss aller Städte und Gemeinden im OM eingebunden werden.
Um die große Herausforderung eines möglichst flächendeckenden ÖPNV-Angebots zu bewältigen, empfiehlt der Beirat, alle Ressourcen der Landkreise zu bündeln und ÖPNV-Angebote stärker überregional zu vernetzen. Darüber hinaus sollte ein stärkerer Best-Practice-Austausch auch mit benachbarten Landkreisen wie dem Emsland erfolgen.
Die Verkehrsanbindung des Oldenburger Münsterlandes via Straße wird im Standortatlas grundsätzlich positiv bewertet. In Sachen Instandhaltung sehen die Unternehmen aber noch Luft nach oben. Dies betrifft auch den weiteren Straßenausbau wie z. B. den vierstreifigen Ausbau der E 233, für den sich der Beirat einsetzt.

Fazit

„Politik, Verwaltung und Wirtschaft haben noch einige Hausaufgaben für unsere Region zu machen“, so ein erstes Resümee von Zerhusen. „Dazu gehört auch, nach außen offensiver zu vermarkten, dass wir bereits ein sehr attraktiver und innovativer Standort zum Arbeiten, Wirtschaften und Leben sind. Für Fach- und Führungspersonal ist das OM oftmals noch ein weißer Fleck. Hierzu werden wir als IHK-Beirat verstärkt den Dialog mit Verwaltung und Politik suchen, um gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.“